Zurück zum Blog
Forschung & Einblicke

Weniger Zeit für Dokumentation dank KI, mehr Zeit für die Patientenversorgung: Was sagen die wissenschaftlichen Belege?

1. Februar 2026

Im Februar 2025 veröffentlichte JAMA Network Open eine Studie, die überzeugende Belege für die wachsende Rolle der künstlichen Intelligenz bei der Bekämpfung von Burnout und Dokumentationsüberlastung bei Klinikern liefert.

Forscher der University of Pennsylvania evaluierten ein ambientes KI-Schreibassistenten-Tool in einem 7-wöchigen Pilotprojekt mit 46 ambulanten Klinikern aus 17 Fachrichtungen innerhalb eines grossen universitären Gesundheitssystems. Durch den Vergleich der Metriken der elektronischen Krankenakte (KIS) vor und während der Implementierung konnte das Team die realen Auswirkungen des Tools auf den klinischen Workflow quantifizieren.

Messbare Effizienzgewinne

Die Ergebnisse zeigten konsistente Verbesserungen:

  • Etwa 15–20 % weniger Zeitaufwand pro Notiz
  • Eine 17–30 % Reduktion der Dokumentation nach Feierabend („Pyjama-Zeit”)
  • Höhere Abschlussraten für Besuche am selben Tag
  • Reduziertes Tippvolumen, das die Automatisierung von Dokumentationsaufgaben widerspiegelt

Diese objektiven KIS-Metriken wurden durch das Feedback der Kliniker bestätigt. Viele Teilnehmer berichteten von einer geringeren kognitiven Belastung und beschrieben weniger mentale Fragmentierung während der Konsultationen sowie eine verbesserte Fähigkeit, Augenkontakt und aktives Zuhören aufrechtzuerhalten.

Über die Produktivität hinaus: die Aufmerksamkeit den Patienten zurückgeben

Wichtig ist, dass die Vorteile über Zeitersparnis hinausgingen. Kliniker beschrieben ein verbessertes Engagement während der Konsultationen, mit weniger Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit zwischen Patient und Computerbildschirm aufzuteilen. In einem Gesundheitsumfeld, in dem die Dokumentationsanforderungen weiter zunehmen, ist diese Verschiebung nicht trivial — sie beeinflusst direkt die Versorgungsqualität, die Zufriedenheit der Ärzte und potenziell das Vertrauen der Patienten.

Allerdings hat die Studie auch aktuelle Grenzen aufgezeigt. KI-generierte Notizen erforderten noch Überprüfung und gelegentliche Bearbeitung hinsichtlich Genauigkeit, Vollständigkeit und stilistischer Übereinstimmung mit individuellen Praxismustern. Zuverlässigkeit und nahtlose Integration bleiben kritische Bereiche für die Weiterentwicklung.

Von Innovation zu Infrastruktur

Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ambiente KI-Schreibassistenten sich von experimentellen Werkzeugen zu grundlegender klinischer Infrastruktur entwickeln. Durch die Reduktion administrativer Reibung und die Rückgewinnung kognitiver Kapazitäten können diese Systeme eine bedeutende Rolle bei der Minderung von Burnout spielen und gleichzeitig den klinischen Fokus bewahren.

Da der Dokumentationsdruck weltweit zunimmt, ist die Frage möglicherweise nicht mehr, ob KI in die klinische Dokumentation gehört — sondern wie sie verantwortungsvoll, sicher und in grossem Massstab eingesetzt werden kann, um sowohl Effizienz als auch menschliche Präsenz in der Versorgung zu maximieren.


Quelle: JAMA Network Open